Rentner und ihre Besteuerung

Renten und ihre steuerlichen Folgen für Steuerpflichtige und ihre Steuererklärung. Wir klären in diesem Artikel wichtige Fragen, die sich Rentner hinsichtlich ihrer Steuererklärung stellen. Ebenfalls ist dem Artikel ein Kurzvideo beigefügt, welches die wichtigsten Fragestellungen auch visuell beantwortet.

Rentner Steuererklärung

Wann muss ich als Rentner Steuern zahlen?

Mit Wirkung zum 01.01.2005 trat das Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) in Kraft. Diese sogenannte Rentensteuer hatte zur Folge, dass Altersvorsorgeaufwendungen und -bezüge einkommensteuerrechtlich neu behandelt werden. Rentner, deren Einkommen über dem steuerfreien Grundfreibetrag (2017: Ledige EUR 8.820 / Verheiratete EUR 17.640) liegen, müssen nunmehr jährlich eine Steuererklärung abgeben und zahlen je nach Renteneintritt einen bestimmten Steuersatz auf ihre Renteneinkünfte.

Wie erfährt das Finanzamt von den Renteneinkünften?

Das Finanzamt wird von den Rentenkassen automatisch über die Höhe der jeweiligen Rentenzahlungen informiert. Mitteilungen des Finanzamtes vor 2005, dass die Abgabe der Steuererklärung nicht mehr erforderlich sei, sind mit Eintritt des Alterseinkünftegesetzes hinfällig. Sofern Rentner noch keine entsprechende Steuererklärung abgegeben haben, müssen sie damit rechnen, eine entsprechende Aufforderung vom Finanzamt zu erhalten.

Die Renteneinkünfte können vom Finanzamt auch nachträglich mindestens vier Jahre rückwirkend festgesetzt werden. Dazu wird die steuerliche Situation des betroffenen Rentners geschätzt und es kann neben Steuernachzahlungen auch zu Säumniszuschlägen und Zwangsgeldern kommen.

Welche Einkünfte müssen Rentner bei der Steuererklärung angeben?

In der Steuererklärung sind nicht nur gesetzliche Renten anzugeben, sondern auch

  • Renten wegen einer verminderten Erwerbsfähigkeit,
  • Hinterbliebenenrenten,
  • Halbwaisenrenten,
  • Waisenrenten,
  • Witwenrenten,
  • Kaufpreisrenten,
  • Renten aus betrieblicher Altersversorgung,
  • Riester- oder Rüruprenten.

Auch zusätzliche Einkünfte aus

  • einer selbständigen Tätigkeit,
  • einer nicht selbständigen Tätigkeit,
  • Vermietung und Verpachtung,
  • einer privaten Rente,
  • Kapitalvermögen

sind in der Steuererklärung anzugeben. Gerade bei Rentnern, die während ihrer aktiven Berufslaufbahn in Schlüsselpositionen beschäftigt waren, ist es nicht unüblich, dass diese entweder weiterhin als Angestellte oder sogar Selbstständige für ihren ehemaligen Arbeitgeber tätig werden. In beiden Fällen führen diese Einkünfte dazu, dass Rentner in jedem Fall eine Steuererklärung abgeben müssen.

Schauen Sie sich unser Kurzvideo an:

Renten und Steuerpflicht: Was Sie unbedingt wissen sollten
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Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben und viele wissen nichts davon. Das kann zu Ärger mit dem Finanzamt führen. Informieren Sie sich in diesem Video, unter welchen Umständen Sie bzw. Ihre Angehörigen im Ruhestand Steuern zahlen müssen und wie Sie sich richtig verhalten.

Wie hoch ist der Steuersatz für den jeweils steuerpflichtigen Rententeil?

Wer bis Ende 2005 in Rente gegangen ist, zahlt auf den steuerpflichtigen Rententeil künftig einen Steuersatz von 50 %. Bei einem Renteneintritt ab 2006 wird der Steuersatz schrittweise jährlich um 2 % erhöht und beträgt 2020 dann 80 %. Ab 2021 erhöht sich der Steuersatz schrittweise um 1 % und liegt ab 2040 bei 100 %. Ab diesem Zeitpunkt müssen Renten voll versteuert werden.

Was ist unter einem Rentenfreibetrag zu verstehen?

Als Rentenfreibetrag wird der Teil der Rente bezeichnet, der nicht zu versteuern ist. Die Höhe des Rentenfreibetrags richtet sich dabei nach dem jeweiligen Rentenbeginn. Es handelt sich dabei um einen festen Eurobetrag, der in den Folgejahren auch dann unverändert bleibt, wenn es zu einer Rentenanpassung kommt. Grundlage für die Berechnung des Rentenfreibetrages ist neben der Jahresbruttorente, die sich aus dem ersten kompletten Rentenbezugsjahr ergibt, der Steuersatz des Kalenderjahres, in welchem der erste Rentenbezug erfolgte.

Besonderheiten beim Grundfreibetrag

Ehepartner erhalten in der Regel den doppelten Grundfreibetrag. Verstirbt ein Ehepartner, wird dieser doppelte Grundfreibetrag für das laufende Kalenderjahr sowie das Folgejahr weiterhin in der Steuererklärung berücksichtigt (sog. Gnadensplitting) und der einfache Grundfreibetrag erst ab dem 2. Jahr nach dem Tod des Ehepartners zugrunde gelegt.

Können Rentner in der Steuererklärung Freibeträge geltend machen?

Wie jeder Steuerpflichtige haben auch Rentner die Möglichkeit, ihr steuerpflichtiges Einkommen in der Steuererklärung durch die Angabe von Freibeträgen zu senken. Hierzu zählen:

  • Sonderausgaben wie z. B. Beiträge zur Kranken-/Pflegeversicherung, private Haftpflichtversicherung, Spenden
  • außergewöhnliche Belastungen wie z. B. Medikamenten-/Arztrechnungen, Krankheitskosten, Pflegeheim-/Beerdigungskosten
  • Werbungskosten wie z. B. Beiträge für Gewerkschaften, Rentenberatungskosten, Versicherungsberatungskosten
  • Behinderten-Pauschbetrag: deckt alle typischen, regelmäßigen Behinderungskosten (z. B. Medikamentenkosten, erhöhter Wäschebedarf) ab und richtet sich nach dem jeweiligen Behinderungsgrad
  • Altersentlastungsbetrag: gilt für Rentner ab 64 Jahren, abhängig vom Geburtsjahr können bis max. 1.900 EUR bei der Steuererklärung berücksichtigt werden. Der Altersentlastungsbetrag entfällt jedoch für alle ab 01.01.1975 geborenen Personen.