Studienkosten als Medizinstudent von der Steuer absetzen

Mit dem Medizinstudium ist für Dich sicher ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch dieser Traum kostet. Fachbücher, Stethoskop, praktisches Jahr, Auslandssemester und Anfahrten zum Praktikum in der Klinik reißen schnell Löcher in den Geldbeutel. Nebenjobs sind beim intensiven Studium der Medizin kaum möglich.  Hier erfährst Du Wichtiges zum Thema wie Du die Kosten für Dein Medizin-Studium steuerlich geltend machen kannst.

Medizinstudium Steuer

Der Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben bei der Steuer

Um die Probleme der Absetzbarkeit von Kosten des Medizinstudiums bei der Steuer zu verstehen, musst Du den Unterschied zwischen den beiden Begriffen kennen.

Beide Posten, Sonderausgaben und Werbungskosten, sind Beträge, die Du von der Steuer absetzen kannst. Allerdings ist dafür Voraussetzung, dass Du überhaupt Steuer bezahlst. Dies ist erst dann der Fall, wenn Du mindestens 9.000 Euro im Jahr verdienst. Dies ist der sog. Grundfreibetrag. Das bedeutet: Bleibst Du darunter, zahlst Du keine Steuern und kannst Kosten für das Studium der Medizin in einem ersten Schritt nicht steuerlich absetzen.

Ohne einen Nebenjob oder ein bezahltes Praktikum sind Medizin-Fachbücher und anderes Equipment, das Du zum Studium brauchst, nicht absetzbar. Die Lösung, die Dir steuerrechtlich geboten wird, ist der sog. Verlustvortrag. Hier werden Ausgaben, die Dir im Studium erwachsen sind, gesammelt und als Verlust festgehalten.

Beim späteren Berufseinstieg verhilft Dir dieser Verlustvortrag zu einer teilweise ansehnlichen Steuererstattung, da die im Studium angesammelten Verluste mit den ersten Einnahmen nach dem Berufseinstieg verrechnet werden und diese reduzieren.

Medizinstudium nach vorheriger Ausbildung

Allerdings gilt es als Medizin-Student den wichtigen Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben bei der Steuer unbedingt zu kennen. Werbungskosten enstehen steuerlich für all diejenigen, die eine Zweitausbildung absolvieren. Solltest Du Medizin im Anschluss an eine Ausbildung oder ein anderes Studium studieren, kannst Du die Ausgaben von der Steuer absetzen oder bei fehlenden Einnahmen während des Studiums durch den Verlustvortrag geltend machen.

Medizinstudium ohne vorherige Ausbildung

Wenn Du Medizin im Erststudium studierst, also Dein Studium direkt nach dem Abitur aufgenommen hast, entstehen durch die Ausgaben während des Studiums Sonderausgaben. Diese Ausgaben haben im Vergleich zu Werbungskosten den gravierenden Nachteil, dass sie nicht zu einem Verlustvortrag führen können, der Dir, wie oben beschrieben, zu einer Steuererstattung verhilft.

Näheres zum Thema weshalb auch sog. Erststudenten eine Steuererklärung abgeben sollten, findest Du in unserem Ratgeber zum Thema Studentensteuererklärung.

Erstausbildung als noch bestehender Hürde zur Steuererstattung

Bis 2015 wendeten Studenten, die direkt nach dem Abitur das Medizinstudium aufnahmen, daher einen kleinen Trick an: Sie absolvierten eine kurze Ausbildung (teilweise 3 Monate) zum Rettungssanitäter oder Stewardess, ehe sie in das Studium der Medizin einstiegen. Das anschließende Medizinstudium galt dann als Zweitausbildung und die Ausgaben wurden vom Finanzamt als Werbungskosten behandelt. Seit 2015 ermöglicht das Steuerrecht dieses steuerliche Gestaltungsmöglichkeit allerdings nicht mehr, da der Gesetzgeber fixiert hat, dass eine Ausbildung mindestens 12 Monate dauern muss.

Der Bundesfinanzhof ist nicht einverstanden

Der BFH ist der Meinung, dass die Ausbildung zum Rettungsassistenten für Studenten der Medizin anerkannt werden sollte. Denn wenn Du Medizin studieren willst und Dich vorab zum Rettungssanitäter ausbilden lässt, ist das eine hilfreiche Erstausbildung für Dein Studium der Medizin und Deinen späteren Beruf und dies unabhängig von der Dauer dieser Ausbildung.

Zudem sagt der BFH, dass Kosten für das Erststudium der Medizin als Werbungskosten bei der Steuer absetzbar sein müssen, da der Gesetzgeber andernfalls gegen diverse steuerliche und verfassungsrechtliche Grundprinzipien verstößt. Das letzte Wort in dieser Sache wird das Bundesverfassungsgericht zu sprechen haben, da der BFH aufgrund der verfassungsrechtlichen Bedenken der bestehenden steuerlichen Regelung für Erststudenten entsprechende Verfahren an dieses weitergeleitet hat.

Wann kann mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu Erststudienkosten gerechnet werden?

Die am 20.02.2018 vom Bundesverfassungsgericht veröffentlichte Liste der in diesem Gerichtsjahr zur Entscheidung anstehenden Verfahren enthält in Nr. 20 die anhängigen sechs Verfahren i.S.d. Absetzbarkeit der Erststudienkosten.

Nach Rücksprache mit dem BVerfG besteht damit eine gewisse Wahrscheinlichkeit, aber keine absolute Sicherheit, dass es in den nächsten 6-12 Monaten zu einer Entscheidung kommt. Daher empfehlen wir allen sog. Erststudenten, also Medizinstudenten, die direkt nach dem Abitur angefangen haben zu studieren, eine Steuererklärung abzugeben.

Verlustvortrag nutzen

Bis die Frage der Ansetzbarkeit von Erststudienkosten als Werbungskosten für ein Medizin-Studium durch das Bundesverfassungsgericht endgültig geklärt ist, solltest Du Deine Kosten als Verlustvortrag bei der Steuer absetzen. Du machst damit nichts falsch. Im Gegenteil: Du hältst Dir offen, dass die Kosten für Dein Studium der Medizin doch oder erst überhaupt bei der Steuer geltend gemacht werden können.

Hintergrund ist, dass die Finanzämter alle Steuerbescheide, die Erststudienkosten beinhalten nur vorläufig festsetzen und auf die anhängigen Verfahren beim Bundesverfassungsgericht verweisen. Geht das Urteil beim Bundesverfassungsgericht zu Gunsten der Erststudierenden aus, werden automatisch alle Steuerbescheide geändert und nachträglich ein Verlustvortrag festgestellt.

Im Klartext: Die Finanzämter wissen selber nicht, ob die bestehende Regelung verfassungskonform ist und gehen auf Nummer sicher indem sie die Steuerbescheide für vorläufig erklären. Näheres zum Thema wie z.B. rückwirkende Abgabefristen für Studentensteuererklärungen findest Du in unserem Ratgeber.