Studenten sollten eine Steuererklärung abgeben

Studenten Steuererklärung – Das Studium ist angesichts der verkürzten Studiendauern durch den Bologna-Prozess anstrengend und zeitintensiv genug. Wieso sollte ich als Student noch eine Steuererklärung abgeben?

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Studenten Steuererklärung lohnt sich

Egal, ob ihr eine Werkstudententätigkeit, ein Praktikum oder einen Job in den Semesterferien gemacht habt, Ihr habt in all den Fällen Lohnsteuer auf diese Einnahmen gezahlt. Durch die Anfertigung einer Steuererklärung gibt es also unter Umständen vom Lohn aus dem Semesterferienjob einen Betrag von EUR 500 als Steuererstattung zurück. Es lohnt sich aber auch aufgrund des Zauberwortes „Verlustvortrag“.

Kann mich das Finanzamt zwingen eine Steuererklärung abzugeben?

Dies passiert sehr selten. Außer Ihr arbeitet entweder selbstständig und Euer zu versteuerndes Einkommen lag im letzten Jahr über dem steuerlichen Grundfreibetrag i.H.v. EUR 8.652 (Stand 2016; in 2015 EUR 8.472 und in 2014 EUR 8.354) oder Ihr erzielt Einnahmen aus der Vermietung von Immobilien oder aus Kapitalvermögen, die über dem steuerlichen Grundfreibetrag liegen. Hintergrund ist, dass die Einnahmen unterjährig natürlich nicht versteuert worden sind und Ihr gegebenenfalls Steuern nachzahlen müsst.

Minijob

Bei einem Minijob hat der Arbeitgeber deutschlandweit Pauschalabgaben an die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See Minijob-Zentrale in 45115 Essen zu entrichten. Hinsichtlich der Lohnsteuer zahlt der Arbeitgeber für Euch 2% Lohnsteuer und damit ist die Lohnsteuer abgegolten, d.h. in Eurer Lohnsteuerkarte taucht kein Betrag auf. Somit könnt ihr hier auch auf keine Steuererstattung hoffen. Der Minijob hat aber einen entscheidenden Vorteil des Verlustvortrags.

Verlustvortrag

Für gewöhnlich hat ein Student während seines Studiums nicht sehr hohe Einnahmen. Diesen Einnahmen stehen jedoch häufig hohe Ausgaben gegenüber, wie z.B. Studiengebühren oder ein Auslandssemester, um nur einige zu nennen (weitere ansetzbare Ausgaben in unserem Spot: hier). Übersteigen nun in einem Jahr die Ausgaben Eure Einnahmen kommt es unweigerlich zu einem Verlust. Dieser Verlust wird durch uns in einer Steuererklärung geltend gemacht. Er wird so lange in zukünftige Jahre vorgetragen bis er gegen Einnahmen verrechnet werden kann. Daher kommt der Begriff Verlustvortrag. Der entscheidende Vorteil beim Minijob ist, dass der Verlust sich durch diese Einnahmen nicht reduziert.

Vorteile Verlustvortrag

Durch das Ansammeln von Verlusten während der Phase des Studiums (Verlustvortrag) generiert ihr ein immer höheres zukünftiges Steuererstattungspotenzial. Angenommen nach dem Studium habt Ihr einen Verlustvortrag von EUR 32.000 angesammelt, dann würdet Ihr faktisch im Jahr Eures Berufseinstieges und einem angenommenen Einstiegsgehaltes von EUR 40.000 keine Steuern zahlen, da Ihr am Ende des Jahres des Berufseinstieges eine Steuererstattung von rd. EUR 7.000 erhalten würdet. Jetzt fragt Ihr Euch sicherlich warum man keinen Verlustvortrag von EUR 40.000 für eine komplette Steuerfreiheit benötigt. Hier ist die Antwort: Der steuerliche Grundfreibetrag! Denn bis zu diesem Betrag fallen keine Steuern an.

Studenten Steuererklaerung

Welche Voraussetzungen muss ich als Student erfüllen um einen Verlustvortrag zu generieren?

Noch ist es so, dass ihr als wichtigste Voraussetzung das Studium als sog. Zweitausbildung absolvieren müsst, d.h. ihr habt vor dem Studium beispielsweise eine Berufsausbildung abgeschlossen. Hier reicht auch eine kurze Ausbildung von 3 Monaten aus wie z.B. zur Flugbegleiterin oder zum Taxifahrer. Als Zweitausbildung wird aber auch der Master nach erfolgreichem Bachelorstudium anerkannt.

Weitere Voraussetzung ist natürlich, dass ihr in den letzten 4 Jahren keine Steuererklärungen abgegeben habt, da in diesen Fällen keine weiteren Steuererklärungen abgegeben werden können.

Fristen

Eine freiwillige Studenten Steuererklärung muss spätestens nach 4 Jahren eingereicht werden. Es empfiehlt sich allerdings, dem Finanzamt die Steuererklärung schon früher zuzusenden. Denn es gilt: Wer früher seine Steuererklärung abgibt, bekommt früher sein Geld oder den festgestellten Verlustvortrag!

Erststudenten aufgepasst

Aktuell prüft das höchste deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht, ob die Regelung, dass nur Studenten in einer Zweitausbildung einen Verlustvortrag generieren können gegen die Verfassung verstößt und damit rechtswidrig ist. Es empfiehlt sich daher auch für alle Erstausbildungen beispielweise frisch immatrikulierte Abiturienten eine Studenten Steuererklärung abzugeben.

Fortschritt zur Steuererstattung...

Verlängerte Abgabefristen

Aufgrund eines BFH-Urteils vom Frühjahr diesen Jahres ist es möglich Steuererklärung für 7 statt bisher 4 Jahre abzugeben. Die Möglichkeit wir voraussichtlich nur für kurze Zeit bestehen, da der Gesetzgeber beabsichtigt eine Gesetzesänderung vorzunehmen. Bereits mit Verkündung des Steuerrechtsmodernisierungsgesetzes im Herbst 2016 muss damit gerechnet werden, dass die Möglichkeit wieder erlischt, noch Anträge auf steuerliche Verlustvorträge für die Jahre 2009-2011 stellen zu können.