Kosten für Erstausbildung steuerlich absetzen

Steuerlich absetzen können Sie die Kosten für ein Erststudium oder eine Erstausbildung bisher meist nur als Sonderausgaben und nicht als Werbungskosten. Von dieser Einstufung der Aufwendungen für Ihr Erststudium profitieren Sie jedoch nur dann, wenn Sie während Ihrer Erstausbildung bereits über ein steuerpflichtiges Einkommen verfügen. Allerdings prüft das Bundesverfassungsgericht derzeit, ob die unterschiedliche steuerliche Behandlung einer Erst- und Zweitausbildung mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Erstausbildung

Ausbildungskosten steuerlich absetzen – der aktuelle Status quo

Bisher unterscheidet der Gesetzgeber in steuerlicher Hinsicht zwischen Erst- und Zweitausbildung. Die Kosten für eine berufliche Erstausbildung betrachtet der Fiskus als private Aufwendungen. Unter diese Definition fallen insbesondere ein Erststudium, eine Wiederaufnahme des Studiums nach einer Unterbrechung oder ein Studienfachwechsel, sofern das eigentliche Erststudium nicht abgeschlossen wurde. Steuerlich absetzen können Sie Ihre Kosten für ein Erststudium oder eine andere Erstausbildung daher meist nur als Sonderausgaben in Höhe von maximal 6.000 Euro jährlich.

Ein Verlustvortrag über mehrere Jahre ist nicht vorgesehen. Steuerlich absetzen können Sie die Studienkosten für Ihr Erststudium nur dann, wenn Sie parallel dazu ein ausreichend hohes steuerpflichtiges Einkommen erzielen. Zudem hat der Gesetzgeber seit Anfang 2015 die Kriterien für eine steuerlich relevante Erstausbildung verschärft. Beispielsweise erkannte das Finanzamt bis dahin eine kurze Ausbildung zum Rettungssanitäter als Erstausbildung an, ein darauf folgendes Erststudium wurde als Zweitausbildung betrachtet. Heute muss eine steuerlich relevante Erstausbildung mindestens zwölf Monate umfassen.

Deutlich günstiger gestellt sind Steuerpflichtige, die sich in einer Zweitausbildung befinden. Ihre Studienkosten gelten als berufsbezogene Werbungskosten. Steuerlich absetzen können Sie diese Kosten daher in unbegrenzter Höhe. Falls im Veranlagungszeitraum keine steuerpflichtigen Einkünfte erzielt wurden, werden diese Kosten als Verlustvortrag eingestuft. Sie mindern dann die Steuerlast in den ersten Berufsjahren nach dem Abschluss.

Ausnahmen von der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung von Erstausbildung und Zweitausbildung gibt es derzeit nur für Auszubildende, die sich in einem Dienstverhältnis befinden. Kosten für eine klassische Lehre, ein duales Studium oder ein Referendariat gelten steuerlich als Werbungskosten.

Ist die Ungleichbehandlung von Erstausbildung und Zweitausbildung verfassungskonform?

Mit der Frage, ob die steuerliche Ungleichbehandlung eines Erststudiums oder einer Erstausbildung im Gegensatz zur Zweitausbildung durch das Grundgesetz gedeckt ist, beschäftigt sich derzeit das Bundesverfassungsgericht auf der Basis mehrerer Musterklagen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat dem Verfassungsgericht eine entsprechende Frage vorgelegt. Auch die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) hat sich hierzu bereits geäußert.

Aus ihrer Sicht entspricht die aktuelle Unterscheidung zwischen Erststudium bzw. Erstausbildung und Zweitausbildung weder der eigentlich anvisierten Vereinfachung der Verwaltungspraxis noch der Realität des 21. Jahrhunderts. Ein Erststudium oder eine andere Erstausbildung weisen heute in der Regel einen hinreichenden direkten Bezug zur späteren Berufsausübung des Steuerpflichtigen auf. Der BFH ist der Ansicht, dass die steuerliche Unterscheidung zwischen Erstausbildung und Zweitausbildung Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes – also dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz – nicht gerecht wird.

Eine zweite Verfassungsklage gegen die unterschiedliche steuerliche Behandlung von Erststudium oder Erstausbildung gegenüber einer Zweitausbildung stammt von einem privaten Kläger. Sie wird durch den Bund der Steuerzahler unterstützt. Strittig sind in diesem Fall die Studienkosten sowie die Kosten für ein Auslandssemester in Australien aus dem Jahr 2007. Der Kläger beantragte bei seinem Finanzamt die Anerkennung dieser Aufwendungen als Werbungskosten, scheiterte damit jedoch an der Sonderausgabenregelung für das Erststudium. Steuerlich absetzen konnte er aufgrund seines geringen steuerpflichtigen Einkommens nicht einmal einen Bruchteil seiner realen Kosten.

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Wann kann mit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gerechnet werden?

Die am 20.02.2018 vom Bundesverfassungsgericht veröffentlichte Liste der in diesem Gerichtsjahr zur Entscheidung anstehenden Verfahren enthält in Nr. 20 die anhängigen sechs Verfahren i.S.d. Absetzbarkeit der Erststudienkosten.

Nach Rücksprache mit dem BVerfG besteht damit eine gewisse Wahrscheinlichkeit, aber keine absolute Sicherheit, dass es in den nächsten 6-12 Monaten zu einer Entscheidung kommen wird. Daher empfehlen wir allen sog. Erststudenten, also Studenten, die direkt nach dem Abitur angefangen haben zu studieren, eine Steuererklärung abzugeben.

Kosten für ein Erststudium oder eine Erstausbildung geltend machen

Die Kosten für Ihr Erststudium oder eine andere Erstausbildung sollten Sie auf jeden Fall gegenüber dem Finanzamt als Werbungskosten geltend machen. Hierfür müssen Sie auch dann, wenn Sie aktuell über kein steuerpflichtiges Einkommen verfügen, Ihre Steuererklärung anfertigen und gleichzeitig einen Antrag auf die Feststellung des Verlustvortrags für das jeweilige Kalenderjahr stellen.

Das Finanzamt übersendet Ihnen daraufhin einen vorläufigen Steuerbescheid. Falls das Bundesverfassungsgericht zum Ergebnis kommen sollte, dass die Unterscheidung zwischen Erstausbildung und Zweitausbildung verfassungsrechtlich nicht korrekt ist, können Sie Ihre Ausbildung später als Werbungskosten steuerlich absetzen und natürlich auch den Verlustvortrag in Anspruch nehmen.

Warum Sie dafür unbedingt die Expertise eines Steuerberaters nutzen sollten

Eine optimale Grundlage schaffen Sie im Hinblick auf die steuerliche Behandlung Ihrer Erstausbildung nur dann, wenn Sie für die Erstellung Ihrer Steuererklärung das fundierte Fachwissen eines Steuerberaters in Anspruch nehmen.

Ihr Steuerberater sorgt dafür, dass Ihre Steuererklärung alle relevanten Angaben enthält und sachlich richtig ist. Natürlich kennt er auch die Vorgaben des Finanzamts, die für bisher strittige Steuerszenarien wie die steuerliche Anerkennung von Erststudium oder Erstausbildung gelten. Sobald ein Steuerbescheid vom Finanzamt eintrifft, überprüft Ihr Steuerberater das Papier und legt bei Fehlern Einspruch beim Finanzamt ein. Falls sich an den aktuellen Regelungen zu Erststudium und Erstausbildung etwas ändert, kümmert er sich darum, dass Sie Ihre Ausbildungskosten auf der Grundlage der neuen Vorgaben steuerlich absetzen können.

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